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  • Nord-Cast Detlef Arlt

Das wunderbare Weinmobil – eine Herbstreise ins Land der 1.000 Hügel


Ein Wohnmobil ist das ideale Urlaubsgefährt für einen Urlaub zu zweit, zu dritt, zu viert – oder auch mehr. Dabei muss es nicht immer nur die Familie sein. Man kann auch eine richtig schöne Zeit mit Freunden verbringen. Wir haben das gemacht, mein Freund Klaus und ich – mit einer Weinreise durch den Kraichgau in Baden Württemberg – dem Abenteuerspielplatz für die Weinliebhaber unter den Wohnmobilisten.


Unsere erste gemeinsame Wohnmobilreise haben wir in den Neunziger Jahren gemacht. In einer uralten, geliehenen Klapperkiste nach Newcastle, mit fünf Jungs zu einem Europapokalspiel. Es war eng, es roch streng, es hat Spaß gemacht. Heute, ein Vierteljahrhundert später sind die Ansprüche gestiegen, wir ziehen ein gutes Glas Wein dem Dosenbier vor und auch die Anforderungen an unser Wohnmobil sind andere. Deshalb haben wir uns für unsere Reise ein echtes Luxusmobil geliehen:

ein Carado i339, vollintegriert, voll ausgestattet, voll luxuriös, voll groß. Als ich es im Caravanpark Spann an in Rendsburg abhole, frage ich Inhaber Bernd Eichstedt voller Respekt, ob ich dafür nicht ein Kapitänspatent bräuchte. Er winkte ab: „Nach 100 Kilometern hast Du den unterm Hintern.“ Er hat Recht behalten. Stramme Lenkung, durchzugsstarker Motor, große Spiegel und eine zuverlässige Rückfahrkamera machen das Sieben-Meter-Fahrzeug zum leichtgängigen Reisegefährten. Nach knapp 10 Stunden bin ich am Ziel: dem Kraichgau, einem wunderschönen Weinanbaugebiet zwischen Sinsheim, Heilbronn und Pforzheim. Klaus lebt dort und kennt sich gut aus – ideale Voraussetzungen für unsere viertägige Wein-Erlebnisreise. Klaus der Weinliebhaber schätzt den Kraichgauer Wein sehr, für Auswärtige sind Wein und Anbaugebiet eher noch ein Geheimtipp. Das wollen wir mit unserer Expedition ändern.


Der Kraichgau und sein Wein, eine kleine Entführung

Im Grunde genommen ist der Kraichgau eine riesige Mulde mit 1.000 Hügeln zwischen dem Pfälzer Wald, dem Schwarzwald und dem Odenwald, sehr fruchtbar durch seinen Lössboden und mit einem besonders milden Klima gesegnet. Nicht umsonst bezeichnen Kenner die Gegend als badische Toskana. Es gibt viel Mischwald zum Wandern, in den Tälern wird Landwirtschaft betrieben und an den Hängen der Hügel wächst der Wein. Und der ist ausgezeichnet. Aus vielen verschiedenen Sorten wie Riesling, Lemberger, Portugieser, Weißburgunder produzieren die Kraichgauer Winzer weltberühmte Spitzenweine, genauso wie köstliche Landweine für jeden Geschmack. Und die kennen keine Einheitlichkeit, denn im Gegensatz zu den Massenanbaugebieten in anderen Regionen warten auf den Weinkenner dank Mikroklima- und Terrainunterschieden alle paar Kilometer neue Erfahrungen – und die wollen wir machen.


Erlebnispark und weinseliges Wohnmobil-Wandern

Zunächst aber gilt es erst einmal, die Familie von Klaus mit unserer Kumpeltour zu versöhnen. Deshalb geht es am ersten Tag mit unserem Carado gemeinsam in Deutschlands ältesten Erlebnispark Trippsdrill bei Cleebronn. Er feiert gerade sein 90-jähriges Jubiläum. Man fühlt sich in das Schwaben von vor 200 Jahren versetzt, denn so ist der Park gestaltet. Inmitten der schwäbischen Idylle gibt es rund 100 Attraktionen, von rasanten Achterbahnen über gemütliche Karussells, bis hin zu einem Wildparadies mit vielen Tieren. Wir lassen Frau und Kinder im Trippsdrill, nachdem wir das Wohnmobil auf dem parkeigenen Wohnmobilstellplatz geparkt haben. Wir wollen zum Michaelsberg wandern, der knapp 270 Meter hohen Landmarke des Kraichgaus. Doch sehr weit kommen wir erst einmal nicht, denn am Fuß des Berges hat das Weingut Cleebronn Güglingen wie jeden Sonntag

seinen mobilen Weinausschank aufgestellt.

Wollen wir widerstehen? Nein, wollen wir nicht. Mit dem einem oder anderen Viertele und netten Gesprächen vertreiben wir uns die Zeit. Das Weingut Cleebronn Güglingen gehört übrigens zu den vielen Weingütern in der Gegend, die Wohnmobilstellplätze anbieten. Als wir die Reise vorbereitet haben, hat uns die nette Dame vom Tourismus-Service Kraichgau-Stromberg in Brecken auf der Karte mit den Wohnmobil-Entdeckungstouren zehn Weingüter angekreuzt, auf denen wir übernachten können – Strom und Wasser inklusive. Von unserer Bank am Weinausschank aus haben wir einen herrlichen Ausblick über die Landschaft, inklusive unseres Carados auf dem Trippsdrill-Parkplatz. Den Aufstieg durch die Weinreben schaffen wir trotz des Weins noch leicht und locker

Der Michelsberg mit seiner weißen Wallfahrtskapelle belohnt uns mit einer phantastischen Aussicht über die Rheinebene. Am Nachmittag wandern wir zurück und holen eine glückliche Familie ab. Selbstverständlich fährt Klaus Frau Dorothee unseren Carado. Sie kann das, denn die beiden hatten selbst jahrelang ein Wohnmobil.


Lesen, Lernen und Probieren

Die erste Nacht verbringen Klaus und ich noch vor seinem Haus. Er vorn im Hubbett, ich hinten im Queensize-Bett. Einfach die Toilettentür zum Durchgang schließen und jeder hat seine Privatsphäre. Wir haben wunderbar geschlafen. Am nächsten Tag wird es ernst: Wir sind mit dem Weingut Blatt in Brackenheim-Hausern verabredet.


Brackenheim ist mit fast 800 Hektar Rebfläche die größte Weinbaugemeinde im Ländle. Und der größte Rotweinproduzent in Würtemberg. Uns aber zieht ein ganz besonderer Wein zum Weingut Blatt: der Sauvignon Cita, ein hervorragender Weißwein, der fast exklusiv von der Familie Blatt produziert wird. Punkt neun Uhr morgens fahren wir auf dem Weingut Blatt vor. Die Familie ist im Stress, denn wir kommen mitten in der Weinlese. Heute ist der Riesling dran, die Königin der Trauben.

Trotzdem nimmt sich Lisa-Marie, die älteste Tochter, einen ganzen Tag Zeit für uns. Mit 22 Jahren ist sie bereits gelernte Winzerin und studiert jetzt Weinbau und Önologie in Geissenheim bei Wiesbaden. Sie führt uns zunächst in die Weinproduktion ein und zeigt uns alle Stationen – von der Traubenpresse bis hin zur Lagerung der Weine. Von Winzerromantik mit uralten Weinkellern und staubigen Eichenfässern keine Spur. Moderne Maschinen und Edelstahltanks bestimmen das Bild – und der Weinkeller befindet sich auf dem Dachboden. Natürlich gibt es auch Holzfässer, kleine und riesig große: „Darin bauen wir unseren Rotwein aus“, erklärt Lisa Marie, die ihren Abschluss als Winzerin 2018 als Jahrgangsbeste absolviert hat.

Alle Tanks und Fässer sind gekennzeichnet, damit die vielen verschiedenen Weinsorten jederzeit wiedergefunden werden. Der Herbst ist die Lieblingszeit von Lisa-Marie: „Erstens, weil ich dort Geburtstag habe und zweitens, weil es die Zeit ist, in der wir die Früchte unserer Liebe, Arbeit und Kraft ernten und daraus herrlichen Wein machen.“ Wochenende und pünktlichen Feierabend gibt es während der Lese nicht. Die ganze Familie samt Erntehelfern arbeitet bis die letzte Traube verarbeitet ist. Zeit für gutes Essen und leckeren Wein bleibt trotzdem.

Die Familie Blatt lädt uns zum Mittagessen in die Scheune ein. Es gibt gegrillte Rotwurst, Nudelsalat, geröstetes Brot und Käse. Dazu natürlich einen schönen Trollinger und zum Dessert Schokopudding mit eingelegten Birnen. Das war es allerdings noch nicht, denn jetzt fahren wir gemeinsam in die Weinberge. Wir mit dem Wohnmobil, um noch ein paar Fotos zu machen. Das ist ganz schön eng auf den einspurigen Straßen im Weinberg. Ohne Winzer-Begleitung sollte man da nicht fahren. Lisa-Marie ist unsere Führerin, denn wir dürfen bei der Lese helfen – per Hand:

„Wir ernten sowohl mit der Maschine, als auch mit der Hand“, erklärt Christa Blatt. Die empfindlichen Riesling-Trauben zum Beispiel können nicht maschinell gelesen werden. Als alte Hobbygärtner können wir die Trauben problemlos von der Rebe schneiden, aber mit der Geschwindigkeit der Profis halten wir nicht mit. Zum Abschluss unsere Belohnung:


Wir machen eine Weinprobe. Wo? Im Wohnmobil natürlich. „Ich habe schon viele Weinproben gemacht, aber noch nie eine im Wohnmobil“, sagt Lisa-Marie und lacht. Fünf verschieden Weine dürfen wir probieren. Zu jedem Wein erzählt Lisa-Marie eine Geschichte, erklärt die Aromen und erläutert die Herstellung. Wir beginnen mit dem Sauvignon Cita, gehen über zu einem lecker leichten Muskat Trollinger Rosé , eine Sommerwein-Rarität, die auch hervorragend zu weihnachtlichen Leckereien wie Lebkuchen passt, versichert Lisa-Marie.

Der Hauptvertreter der Region ist als nächster dran: eine rubinrote, fruchtige Lemberger Spätlese, im Holzfass gereift, die am besten zu einem guten schwäbischen Essen getrunken wird. Weiter geht es mit einer 2018er Cabernet-Dossa Auslese, eine burgunderrote Kreuzung aus Sauvignon und Dornfelder, höchste Qualität, die Lisa- Marie deshalb auch dekantiert. Passt hervorragend als gemütlicher Abendwein zum Genießen. Optisch eine Freude und geschmacklich ein Hochgenuss. Ein Tipp: Wer eine Weinreise macht, sollte unbedingt einen Dekanter von Zuhause mitnehmen. Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein leckeres süßes Bonbon: eine weiße 2018er Gewürztraminer Spätlese. Eine liebliche Versuchung aus Rosenduft und Lychee-Geschmack. Alle Weine sind toll, aber unser eindeutiger Favorit steht fest: der Sauvignon Cita 2018 Spätlese trocken: „Ein Schluck und der ganze Mund ist gefüllt von Aromen“, schwärmt Klaus. So muss ein Wein sein. Der Sauvignon Cita ist übrigens eine relativ junge Sorte. 1969 wurde er als Kreuzung aus Riesling und Sauvignon Blanc kreiert. Nach unserer Weinprobe steht fest: Wir sind eindeutig fahruntüchtig. Macht gar nichts, wir haben ja unseren Carado und dürfen auf dem großen Hof der Familie Blatt übernachten. Sie haben zwar keinen ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz, aber den Strom gibt es aus der Scheune, das Frischwasser aus dem Schlauch. Wohnmobilisten sind ausdrücklich eingeladen, das Weingut Blatt zu besuchen - Platz ist genug da und es lohnt sich.


Elf-Finger-Weine und Herrgottsb‘scheißerle

Gut geschlafen? Ja. Kater? Nein. Nachdem die Morgenfragen geklärt, das Frühstück verspeist und der Carado klargemacht ist, brechen wir auf, um den Ursprung der Maultaschen zu erkunden, die im Kloster Maulbronn erfunden wurden. Das Kloster ist vollständig erhalten, stellen wir fest, als wir ankommen. Direkt neben der Klosteranlage gibt es einen hervorragend ausgestatteten Wohnmobilplatz der heute unsere Homebase wird. Das Kloster ist gigantisch. Wir buchen eine Führung mit einem Audioguide, der uns in gut 1,5 Stunden durch die mittelalterliche Anlage von 1147 führt. Ein herrlicher Kreuzgang, ein märchenhaftes Brunnenhaus und das wuchtige Chorgestühl der Zisterziensermönche sind echte Höhepunkte.

Aber wir hören auch allerlei lustige Geschichten: Im Herrenrefektorium, dem riesigen Speisesaal der Mönche ist eine der Säulen mit einer Rinne und einer Mulde versehen. An dieser Säule hing angeblich ein Fass, aus dem Wein herauströpfelte. Nach der Mahlzeit durften die Mönche ihre Finger in den Wein tauchen und sie ablecken. Ein Mönch wünschte sich, eilf Finger zu haben - und so kam der Wein vom Eilfingerberg zu seinem Namen. Die Mönche mussten im Zuge der Reformation ausziehen, ein protestantisches Internat, das städtische Rathaus, die Polizei, die Klosterapotheke und einige Restaurants zogen ein und sind bis heute geblieben. Auch den Wein vom Eilfingerberg neben dem Kloster gibt es noch. Er gehört heute zum Weingut des Fürsten von Württemberg. Ob wir ihn probiert haben? Aber natürlich!

Zunächst mussten wir die hiesige Nationalspeise kosten. Im Gasthaus zum Scheffelhof gab es köstliche Kalbsmaultaschen mit Kartoffelsalat – herrlich! Den Nachmittag haben wir mit Weinkaufen, einem Gang durch die Stadt und am Tiefensee verbracht.

Am Abend dann die zweite Weinprobe im Wohnmobil. Ein Bilderbuch-Rieslingvom Eilfingerberg mit zartem Pfirsich-Honigduft und würzig fruchtigem Geschmack. Bei dem Wein hätten sich die Mönche vermutlich noch ein paar Finger mehr gewünscht. Zum Vergleich probieren wir noch zwei Gewächse vom Maulbronner Closterweinberg, den die Familie Jaggy aus dem nahen Schönenberg bewirtschaftet. Um den Flaschenhals haben die Winzer ein kleines Rebstöckchen gebunden. Der 2017er Riesling ist herrlich und trocken, der Grauburgunder von 2018 rundet den Abend mit seiner leicht angenehmen Restsüße ab - unser Betthupferl. Nur gut, dass unser Carado einen großen Kühlschrank hat. Darin können wir die Reste unserer Weinproben aufbewahren.


Pfeifferturm und Besenwirtschaft

„Eppingen musst Du gesehen haben“, schwärmt Klaus am nächsten Morgen beim Frühstück. Mittlerweile sind wir wieder ein eingespieltes Team: Ich besorge die Brötchen, er entsorgt unsere Hinterlassenschaften an der Entsorgungsstation. Also, auf nach Eppingen. Es ist nicht weit, nur knappe 25 Kilometer, die schafft unser Carado in einer halben Stunde. Wir parken auf dem Wohnmobilstellplatz am Altstadtring, breit, bequem und Platz genug auch für Dickschiffe wie unseren i339. Wir müssen nur die Straße überqueren und schon sind wir in der Eppinger Altstadt.

Klaus hat recht: Eppingen sieht ein wenig aus, wie von einer Modelleisenbahnanlage kopiert. Uralte, wunderschön restaurierte Fachwerkhäuser gruppieren sich um die über 500 Jahre alte Stadtkirche „Unsere Liebe Frau“. Begrüßt aber werden wir vom „Baumann`schen Haus von1582, ein Traum in rosa, das als schönstes und bedeutendstes Bürgerhaus im Kraichgau gilt, wie uns der Stadtführungsprospekt erzählt, den wir uns bei der Tourist-Information am Marktpatz besorgt haben. Dort steht auch der berühmte Pfeifferturm, das älteste Gebäude der Stadt. Er wurde im 13. Jahrhundert als Beobachtungs- und Wachturm erbaut. Pfeifferturm heißt er, weil der Türmer die Eppinger mit einem Horn vor anrückenden Feinden warnen musste. Der Turm hatte später keinen guten Ruf. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert diente er als Stadtgefängnis. „Hier ist bös sein“ raunten die Eppinger damals. Uns dagegen geht es saugut und wir genießen einen opulenten Eisbecher im italienischen Eiscafé auf dem Marktplatz.

Auf ein Mittagessen verzichten wir heute, denn wir wollen später noch in einen Besen. Ein was, fragt der unkundige Norddeutsche? „In einem Besen bewirten Weingüter Gäste in ihren Gaststuben mit eigenem Wein und deftigen Spezialitäten aus der Region“, erklärt Klaus. Aber die Besen haben nicht ständig geöffnet. „Eine geöffnete Besenwirtschaft erkennt man an einem ausgesteckten Besen vor der Wirtschaft,“ werde ich aufgeklärt. Nichts wie hin und einen Besen suchen! Wir finden ihn in unserem Besenführer vom Tourismus-Service Kraichgau: Das Weingut Kern-Schauffler in Meimsheim bei Brackenheim hat heute seinen Besen rausgestellt. Klaus verrät nichts, aber die leuchtenden Augen lassen Großes erwarten – und ich werde nicht enttäuscht. Auf dem großen Hof finden wir unseren Stellplatz – und dann geht es ab in den Keller. Wir öffnen eine schwere Holztür und finden uns mitten in einem uralten Kellergewölbe wieder. Es ist proppenvoll.

So müssen Weinkeller vor hunderten von Jahren ausgesehen haben. Doch der Schein trügt: „Das Gewölbe haben wir 1982 als Besenwirtschaft bauen lassen“, erzählt Wilhelm Kern augenzwinkernd. Er ist der Senior des Weinguts Kern-Schaufler, sein Schwiegervater war ein Schaufler, deshalb der Doppelname. „ Dreimal im Jahr, zweimal zwei Wochen im Frühjahr und drei Wochen im Herbst öffnen wir die Besenwirtschaft für Gäste“, sagt Enkelin Jenny Voigtländer, die die Besenwirtschaft im Gewölbekeller betreibt. Die restliche Zeit veranstaltet sie gegen Voranmeldung Weinproben und stellt ihren Keller für private Feste und Firmenfeiern zur Verfügung. Serviert wird natürlich Wein von eigenen Lagen. Sorten wie Trollinger, Lemberger, Spätburgunder, Schwarzriesling und andere stehen auf der Speisekarte.

Wir entscheiden uns für einen sanften Lemberger und eine deftige Schlachtplatte mit Leber- und Rotwurst sowie Kessel-fleisch – alles aus eigener Herstellung. „Wir beschäftigen drei Metzger, die für uns die Fleisch- und Wurstwaren herstellen“, sagt Jenny Voigtländer. Es schmeckt herrlich mit Sauerkraut und Brot. Wir lassen uns noch einige Dosen hausgemachte Wurst ein-packen und schaffen es gerade noch in unseren Carado. Denn selbstverständlich dürfen wir auch hier übernachten.


Neckarblick und die Milch der Schwaben

Der letzte Tag unserer Reise. Ich möchte noch einen alten Bekannten besuchen: Reinhold Zaiß, der lange Jahre das „Schlotzerfest“, ein Weinfest im Ostseebad Scharbeutz mitorganisiert hat. Dort haben wir seine Weine kennen- und schätzen gelernt. Vorher aber empfiehlt Klaus mir einen Abstecher über das Stauferstädtchen Bad Wimpfen mit seiner idyllischen Altstadt und der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Es ist nur eine halbe Stunde Fahrt und wir können unser Wohnmobil auf einem Stellplatz beim Gesundheitszentrum stehen lassen.

Wir bummeln durch die historische Altstadt mit den vielen uralten Fachwerkhäusern zum Wahrzeichen der Stadt: dem blauen Turm. Das blaue Schieferdach gab ihm seine Namen, doch viel zu sehen ist davon nicht, denn der alte Kamerad wird gerade saniert und ist komplett eingerüstet. Der grandiose Blick von der Kaiserpfalz über die Neckarschleife bis Heilbronn entschädigt uns dafür.

Dann wird es aber auch schon Zeit, uns mit Reinhold Zaiß zu treffen, der seinen Weinbaubetrieb mit Besenwirtschaft am Rad von Heilbronn betreibt. Unseren Carado durch den regen Stadtverkehr zu manövrieren, erfordert Konzentration, aber auf unser eingebautes Navi ist Verlass. Plötzlich liegt die Stadt hinter uns und wir stehen in den Weinbergen vor dem Weingut Zaiß. Der Winzer und seine Mannschaft sind mitten in der Lese, es regnet und sie kommen in schweren Wettermänteln direkt aus dem Weinberg zur Mittagspause. In der gemütlichen Besenstube kommen wir bei Rostbratwurst und einem Viertele hauseigenem Trollinger ins Plaudern:

„Wir bauen sämtliche gängige württembergische Rebsorten an, vom Riesling über den Spätburgunder, bis hin natürlich zum Trollinger, den man auch die Milch der Schwaben nennt“, erzählt der Winzer. Dazu kommen Spezialitäten der Region wie Samtrot und neue Sorten wie Akolon und Palas. Seit dem 16. Jahrhundert baut die Familie Wein an, ihren Weinbaubetrieb mit Brennerei haben Reinhold und Maren Zaiß 1976 gegründet. Maren stammt übrigens aus Haffkrug an der Ostsee. Das erklärt die Affinität zum Norden und das „Schlotzerfest“. Auf 12 Hektar Fläche baut Reinhold Zaiß 40 Prozent Weißweine und 60 Prozent Rotweine an. Dieses Jahr ist hart für den Winzer, denn er hat mit Kollegen einen Stand auf der Bundesgartenschau, die in diesem Jahr in Heilbronn stattfindet. „Wir haben dort einen Stand und der ist 173 Tage am Stück geöffnet. Dann ist Weindorf in Heilbronn und wir sind mitten in der Lese.“ Verständlich, dass der Chef auf dem Sprung ist und die Weinprobe mit ihm ausfällt.

Aber nicht ohne ihn. Denn er packt uns eine große Kiste mit verschiedenen Weinen ein, die wir später Zuhause probieren dürfen. Das werden wir tun, lieber Herr Zaiß, aber nicht heute. Ich muss noch zurück in den Norden, den Carado abgeben. Also fahre ich Klaus nach Hause und mache mich auf den Weg. Mein Schiff schnurrt über die Autobahn, keine Lastwagen, kein Stau, denn es ist Feiertag. Die Familie freut sich über meine Rückkehr. Die Gefährtin mahnt allerdings, den Weinkonsum jetzt wieder etwas einzuschränken. Sie hat ja keine Ahnung, welche Schätze ich noch mitgebracht habe. Denn eines hat mein Carado i339 mehr als genug: Stauraum für Weinkisten.


Infos und Adressen:


Das Wohnmobil

Alles über unser Wohnmobil erfahrt Ihr unter https://carado.com/de/de/unsere-fahrzeuge/integrierte


Essen & trinken


Weingut Blatt. Die supernette Winzerfamilie aus Brackenheim-Hausen produziert schöne Kraichgauer Rot-, Rosé- und Weißweine, unter anderem den sensationellen Cita-Sauvignon. Die Weine können direkt vom Weingut bezogen werden. Die Familie freut sich aber auch auf angekündigte Besuche.

Nordheimer Weg 2

74336 Brackenheim-Hausen

Telefon: 07135 6780

www.weingut-blatt.de

Weingut Zaiß. Rainhold Zaiß, der nette Heilbronner Winzer mit dem Hang zum Norden, baut auf seinen Weinbergen mehr als ein Dutzend Rebsorten an, aus denen über 40 Qualitätsweine entstehen, darunter auch der spezielle Schillerwein. Aber auch eigene Destillate brennt der Winzer aus vollreifem Obst von eigenen Streuobstwiesen. Probieren kann der Gast das alles in der hauseigenen Besenwirtschaft „Klingestube“. Ganz besonders: In der Adventszeit serviert Wirtin Maren Zaiß Holsteiner Grünkohl mit Mettwurst und Bratkartoffeln aus ihrer Heimat. Termine und Öffnungszeiten auf der Website und im Besenkalender.

Klinge 1

74074 Heilbronn

Telefon: 07131 575040

www.weinbau.zaiss.de

Besenwirtschaft Brackenheim

Das Weingut Kern-Schaufler bewirtschaftet rund um Stromberg und Heuchelberg bekannte Lagen wie Meimsheimer Katzenöhrle, Ochsenbacher Liebenberg und Spielberger Liebenberg.

Dreimal im Jahr - zweimal 14 Tage im Frühjahr und drei Wochen im Herbst – öffnet Jenny Voigtländer die Pforten ihrer Besenwirtschaft im urigen Gewölbekeller und serviert bekömmliche Weine und regionale Küche aus eigener Herstellung. Termine auf der Website und im Besenkalender.

Rosenhöhe 64

74336 Meimsheim

Telefon: 07135 98330

www.besenwirtschaft-brackenheim.de

Heuchelberger Warte. Oben auf dem Heuchelberg lässt es sich mit tollem Rundblick gut und bürgerlich in herrlicher Biergartenathmosphäre speisen. Gäste genießen einem leckeren Rostbraten oder dem legendären Hahn im Korb im Restaurant Heuchelberger Warte. Dazu empfehlen wir den hauseigenen „Berg-of-Love-Wein“.

Auf dem Heuchelberg 1

74211 Leingarten

Telefon: 07131 401849

Erleben


Kloster Maulbronn. Der Besuch dieser vollständig erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlage im idyllischen Ort Maulbronn ist ein Muss. Eine Führung durch das Ensemble ist dringend zu empfehlen, um die Kultur und Geschichte dieses besonderen Ortes nachvollziehen zu können. Innerhalb der Klostermauern befinden sich auch das historische Rathaus und die Stadthalle im ehemaligen Fruchtkasten. IM Infozentrum werden interessante Weine aus der Region angeboten.

www.kloster-maulbronn.de

Museum „Alte Universität“ Eppingen und Stadtführung. Im 500 Jahre alten, prächtigen Fachwerkbau erfahren Besucher Interessantes über die wechselvolle Geschichte der Stadt, Leben und Arbeiten ihrer Bewohner sowie die Kunst und Kultur vergangener Generationen. Wer noch mehr Geschichten und Anekdoten über Eppinger Besonderheiten wissen möchte, schließt sich einer der öffentlichen Stadtführungen an, die von März bis einschließlich Oktober jeweils am ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr stattfinden. Treffpunkt ist der Pfeifferturm. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Fleischgasse 1

75031 Eppingen

Telefon : 07262 9201151

Tripsdrill. Erlebnispark, Wildparadies und Naturresort in einem ist dieser, ja, wie sagen wir es am besten, Vergnügungsplatz für Jung und Alt bei Cleeborn mitten im Kraichgau. Über 750.000 Menschen besuchen den Erlebnispark mit seinen mehr als 100 Attraktionen jährlich. Im Wildparadies besuchen sie Tiere in begehbaren Gehegen und übernachtet wird – wenn nicht im Wohnmobil – in Baumhäusern oder Schäferwagen.

Erlebnispark-Tripsdrill-Straße 1

74389 Cleeborn/Tripsdrill

Telefon: 07135 9999

www.tripsdrill.de

Camping/Stellplätze


Übernachten auf dem Weingut

Zahlreiche Weingüter im Kraichgau verfügen über eigene Stellplätzte mit Strom- und Wasseranschluss sowie Entsorgungsstation. Ein Stellplatzverzeichnis gibt es in der Karte. „Wohnmobil-Entdeckertouren beim Kraichgau-Stromberg Tourismus-Service in Bretten oder unter www.wohnmobil-bw.de

Kraichgau-Stromberg Tourismus-Service

Melanchtonstraße 3

75015 Bretten

Telefon: 07252 96330

www.kraichgau-stromberg.com

Maulbronn

Wohnmobilstellplatz Talaue am Kloster. Bei den Besucherparkplätzen in unmittelbarer Nähe zum Kloster stehen acht Wohnmobilstellplätze zur Verfügung. Zufahrt über die Hilsenbeuerstraße, dann rechts in die Parkplätze einbiegen.

Talaue

75433 Maulbronn

Eppingen

Der kostenlose Wohnmobilstellplatz am Altstadtring direkt am Rand der historischen Altstadt ist ganzjährig geöffnet. Die vier Stellplätze können jederzeit angefahren werden und sind auf einem gepflasterten Parkplatz ausgewiesen. Ver- und Entsorgung sind vorhanden. Wasser und Strom werden pauschal abgerechnet

Altstadtring

75031 Eppingen

Bad Wimpfen

Der gebührenpflichtige Wohnmobilstellplatz Bad Wimpfen findet sich etwas abseits, hinter dem SRH-Gesundheitszentrum. Zehn Minuten dauert der Fußweg in die Altstadt.

Bei der alten Saline 2

74206 Bad Wimpfen

Heilbronn

Wohnmobilstellplatz Heilbronn Neckarhalde/Wertwiesenpark. Der gebührenfreie Stellplatz mit über 20 Stellplätzen unmittelbar neben dem Freibad Neckarhalde ist ganzjährig geöffnet. Die Innenstadt und die Neckarmeile sind über den Fuß- und Radweg am Neckar in wenigen Minuten erreichbar Ver- und Entsorgung ist vorhanden, Strom und Wasser werden pauschal abgerechnet.

Neckarhalde

74074 Heilbronn













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